Porto Brandao
MA 5.3 Individuelles Entwurfsprojekt
Prof. Dr. Schubert & Dipl. Ing. Zafari
Jade Hochschule Oldenburg
2026
Veröffentlichungen: Jade Hochschule Jahrbuch 2025/26 TOP VIEW #3















Porto Brandão ist ein Ort im Übergang. Zwischen dem urbanen Zentrum Lissabons und der stillen Peripherie am südlichen Tejo-Ufer liegt ein fragmentierter Küstenraum, geprägt von topografischer Erosion, infrastrukturellen Barrieren und dem Verlust öffentlicher Bedeutung. Der Entwurf versteht diesen Zustand nicht als Defizit, sondern als architektonisches Potenzial. An der Schnittstelle zwischen Hang, Wasser und bestehender Dorfstruktur entsteht ein neuer räumlicher Anker, der die isolierte Küstenkante reaktiviert und Porto Brandão wieder in das kulturelle Gefüge der Stadt zurückführt. Architektur wird hier zum Vermittler zwischen Landschaft und urbanem Leben – ein Eingriff, der vorhandene Kräfte neu ordnet.
Aus der geologischen Beschaffenheit des Ortes entwickelt sich das konstruktive Konzept des Gebäudes. Der Baukörper lehnt sich unmittelbar an den instabilen Hang und wird Teil seiner Stabilisierung. Massive Wandkörper aus Stampflehm formen eine monolithische Architektur, die aus dem Terrain herauszuwachsen scheint und Lasten des Geländes aufnimmt. In diese archaische Struktur wird eine präzise gefügte Holzkonstruktion eingestellt – leicht, filigran und adaptiv. Es entsteht ein räumlicher Dialog aus Masse und Leichtigkeit, aus Dauerhaftigkeit und Offenheit. Der konstruktive Ausdruck macht die Kräfte des Ortes unmittelbar lesbar.
Im Erd- und Untergeschoss entsteht eine offen nutzbare Infrastruktur für kulturelle und gemeinschaftliche Nutzung. Ein Café sowie flexibel bespielbare Räume ermöglichen Ausstellungen, Vernissagen, temporäre Events oder öffentliche Zusammenkünfte und schaffen einen neuen Treffpunkt am Ort. Gleichzeitig entwickelt der Entwurf eine neue Wegeverbindung zwischen dem historischen Dorfkern und dem oberhalb gelegenen ehemaligen Lazarett – einem heute leerstehenden Bauwerk von kultureller Bedeutung. So wird ein größerer Transformationsprozess angestoßen, der langfristig die Reaktivierung des Bestands ermöglicht.
Der Entwurf formuliert eine Architektur, die nicht auf ikonische Präsenz setzt, sondern auf räumliche Intensität – als gebauter Dialog zwischen Mensch, Material und Landschaft.